KI im Versicherungssektor
Künstliche Intelligenz verändert die Abläufe der Versicherer, von der Risikoprüfung bis zur Schadenbearbeitung. Zwischen dem Versprechen operativer Effizienz und erheblichen regulatorischen Anforderungen muss die Branche einen Weg zwischen Innovation und ethischer Compliance finden.
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Über die Branche
Konkrete Anwendungsfälle
KI kommt in drei zentralen Bereichen der Versicherung zum Einsatz. Bei der Risikoprüfung und der Risikobewertung analysiert sie automatisch Antragsunterlagen, um Interessenten zu qualifizieren und eine passende Tarifierung vorzuschlagen, etwa in der Kfz-Versicherung durch die Auswertung von Telematikdaten. In der Schadenbearbeitung verarbeitet sie Meldungen, indem sie die wesentlichen Informationen extrahiert, Schadensfotos zur Vorabeinschätzung des Ausmaßes auswertet und Bearbeitungsakten erstellt, was die Abwicklung beschleunigt. Zur Betrugserkennung analysieren die Systeme eingereichte Dokumente, um Manipulationsspuren, Texturanomalien oder Unstimmigkeiten in den Metadaten zu erkennen.
Herausforderungen und Grenzen
Der Einsatz von KI in der Versicherung wirft mehrere strukturelle Risiken auf. Algorithmische Verzerrung ist eine erhebliche Gefahr: Enthalten historische Daten Diskriminierungen, kann der Algorithmus diese bei Tarif- oder Annahmeentscheidungen reproduzieren. Die Transparenz der Entscheidungen bleibt entscheidend, insbesondere wenn die KI eine Deckung ablehnt oder eine als unfair empfundene Prämie vorschlägt. Die mangelnde Erklärbarkeit komplexer Modelle erschwert es, eine Entscheidung gegenüber einem Kunden oder vor Gericht zu begründen. Der Schutz personenbezogener Daten, geregelt durch die DSGVO, wird mit generativer KI komplexer. Schließlich bleibt die rechtliche Haftung bestehen: Wer trägt die Folgen einer fehlerhaften automatisierten Entscheidung?
Regulierung und europäischer Rahmen
Die europäische Verordnung über künstliche Intelligenz (AI Act) greift schrittweise, ihre Pflichten gelten in Etappen. Der Text stuft bestimmte KI-Systeme in der Versicherung als hochriskant ein, insbesondere solche, die an der Bonitätsbewertung oder der Prämienberechnung beteiligt sind. Nationale Regulierungsbehörden und Datenschutzbehörden überwachen die KI-Compliance im Finanz- und Versicherungssektor, während der umfassendere europäische Rahmen festlegt, wie KI und Datenschutz in Einklang zu bringen sind. Versicherer müssen eine robuste interne Governance einrichten, um die mit Verzerrung, Intransparenz und Haftung verbundenen Risiken zu erkennen und zu steuern.
Worauf ActuIA achtet
ActuIA verfolgt die Entwicklung des auf die Versicherung angewandten Regulierungsrahmens und dessen praktische Umsetzung. Wir beobachten den Einsatz von KI in den Versicherungsabläufen und seine Auswirkungen auf Effizienz, Kundenservice und Transparenz. Die Debatten über algorithmische Ethik und die Bekämpfung von Verzerrungen stehen im Mittelpunkt unserer Beobachtung, ebenso wie die Art und Weise, in der Versicherer den Anforderungen an Governance und Compliance gerecht werden.

